Badino - Daten, Zahlen, Hintergründe

Wie sieht die finanzielle Situation des Badionos aus, haben wir uns im Sommer diesen Jahres gefragt. Was kostet jeden von uns eigentlich das Bad ??

Die Verwaltung hat im Mai 2011 gemeinsam mit den Fraktionenen einen Workshop zu diesem Thema gemacht und uns die aktuellen Zahlen und Unterlagen zur Verfügung gestellt.  

Hier die Antworten auf unsere Eingangsfrage in Kürze:

Auf jeden Overather Bürger – ob er Bade-/Saunagast war oder nicht – entfallen derzeit pro Jahr 42 € Kosten für das Badino aus Steuergeldern.

Pro Besuch des Badinos zahlt die Stadt 8,70 € dazu (2010). Nimmt man Abschreibung/Kapitalkosten dazu, sind es sogar 16,30 € pro Einzelbesuch.

Beispiel:Eine vierköpfige Familie, die 2010 einmal im Monat ins Badino ging, zahlte 180 € Eintritt (12 x Familienkarte). Die Stadt zahlte nochmals 418 € aus eigenen Mitteln dazu (mit Abschreibung/Kapitalkoste sogar 782 €).
Hier für Sie die wesentlichen Ergebnisse

Wie sind diese Werte zu beurteilen? Ist die Situation bei allen vergleichbaren Bädern ähnlich  - oder ist die Situation des Badiono einzigartig?

  • Das Badino liegt bei allen relevanten (Kenn-)Zahlen schlechter als der Durchschnitt vergleichbarer Bäder - teilweise deutlich.
    Pro Jahr muss die Stadt Overath über eine Million Euro Verlust aus laufendem Betrieb und Abschreibung/Kapitalkosten tragen. Nur ein Viertel der laufenden Betriebskosten wird derzeit durch Erlöse wieder eingespielt.
  • Auffällig ist, dass sich die Besucherzahlen – und damit die Erlöse - in 2010 massiv verschlechtert haben. Daher hat sich das Defizit 2010 gegenüber dem Vorjahr weiter erhöht, obwohl auf der Kostenseite erfolgreich gespart wurde. Aus den Detailzahlen ist kein direkter Zusammenhang mit der Änderung von Eintrittspreisen und Öffnungszeiten erkennbar (möglicherweise hat der „Neuheits-Effekt“ nachgelassen). Der Vergleich der Kosten mit dem Durchschnitt lässt vermuten, dass weiteres Einsparpotential vorhanden ist. Auch bei weiteren deutlichen Einsparungen werden Bad wie Sauna jedoch für die Stadt ein immenses Verlustgeschäft bleiben.

Die Ergebnisse im Einzelnen

  • Die Wasserfläche des Badino liegt mit 301 Quadratmetern unter dem Schnitt der betrachteten Bäder (368 Quadratmeter). Sie ist der Einwohnerzahl angemessen.
  • Die Besucherzahlen sind 2010 gegenüber 2009 um fast 25% zurückgegangen. Die Zahlen aus dem ersten Drittel 2011 entsprechen in etwa denen aus 2010. Der Rückgang bei den zahlenden Besuchern ist höher als beim Schul- und Vereinsschwimmen.
  • Die Eintrittspreise liegen im Badino deutlich über dem Schnitt (Erlös pro Besuch etwa 3 €, im Schnitt etwa 2 €).
  • Die Öffnungsstunden pro Woche entsprechen seit der Reduzierung in 2010 in etwa dem Durchschnitt.
  • Die Heizkosten liegen im Vergleich zu anderen Bäder niedriger. Dies relativiert sich jedoch, wenn die Größe des umbauten Raumes hinzugezogen wird, die beim Badino erheblich geringer ist als der Durchschnitt. Relativ zur Größe des Raumes gesehen, fällt der Vergleich schlechter aus: Pro Kubikmeter umbauten Raumes wird mehr als doppelt so viel Heizenergie pro Kubikmeter verbraucht wie in vergleichbaren Bädern.
  • Die Wasserkosten pro Kubikmeter Wasser sind ebenfalls höher als im Schnitt der untersuchten Bäder. Für jeden Besucher des Badinos wird zudem zweieinhalb mal so viel Wasser verbraucht wie in vergleichbaren Bädern.
  • Der Personalaufwand konnte im Badino von 2009 auf 2010 um über 20% reduziert werden. Dennoch liegt der Aufwand mit 426.000 Euro immer noch um 45% höher als im Schnitt der Bäder, obwohl diese überwiegend größer sind als das Badino.
  • Auch bei Materialaufwand für Instandhaltung sowie bei „Sonstigem Aufwand“ liegt das Badino über dem Schnitt. (Sonstiger Aufwand 180.000 €).
  • Bei Abschreibungen und „Sonstigen Kapitalkosten“ (insbesondere sind dies die Zinsen für aufgenommene Kredite) liegt das Badino extrem viel höher als derDurchschnitt (über eine halbe Million € für 2010). Dies resultiert aus der erst kürzlich erfolgten Sanierung des Bades. Andere Bäder haben anscheinend in den letzten Jahren wenig investiert; teilweise besteht dort erheblicher Sanierungsstau. Die Steigerung der Sonstigen Kapitalkosten von 2009 auf 2010 von 27% resultieren aus der Umschuldung von Kassenkrediten auf Annuitätendarlehen.
  • Für das Schul- und Vereinsschwimmen verbucht die Stadt von der Kreisaufsicht genehmigte 250.000 €. Im Jahr 2010 fielen gut 27.000 Besuche auf Schüler und Vereinsschwimmer (39%). Damit liegt Overath in etwa im Schnitt anderer Bäder.

Analyse als Download

 

Die Lösungsansätze der Fraktionen

Wir haben den Fraktionsvorsitzenden usnere Analyse zugesandt um Beantwortung folgender Fragen gebeten:

  • Welche konkreten Maßnahmen schlägt Ihre Fraktion zur Verbesserung der finanziellen Situation des Bades vor?
  • Welchen zeitlichen Horizont für eine ausreichende Konsolidierung halten Sie für notwendig/machbar?
  • Welche Zielgröße an jährlichem Defizit halten Sie für vertretbar?

 

Antwort der SPD

Sehr geehrte Frau Grunewald,

herzlichen Dank für die Zusendung der Analyse des Badino. Sicherlich ist dies ein Thema, das die Bürgerinnen und Bürger in Overath sehr interessiert. Da wir diese Thematik im nächsten Betriebsausschuss - auch in Form ihrer Analyse - wieder auf der Tagesordnung haben und ich Ihr Anliegen gerne mit der Fraktion besprechen würde, bitte ich an dieser Stelle um Nachsicht. Im übrigen lassen sich aus meiner persönlichen Sicht die Probleme das Badino nur im Konsens zwischen allen Fraktionen und der Verwaltung lösen. Über eine rege Teilnahme von Bionus an der Sitzung des Betriebsausschusses würde ich mich freuen.

Mit freundlichem Gruß
Ruth Rocholl

 

Antwort der CDU

Sehr geehrte Frau Grunewald,

ich nehme Bezug auf Ihre Mail vom 20.9.2011, die ich für die CDU-Fraktion vorab wie folgt beantworten möchte:

Die Ratsfraktionen haben sich – insbesondere in dem von Ihnen erwähnten Workshop – sehr eingehend mit der derzeitigen Situation des Badino befasst. Der Betriebsausschuss hat aufgrund der in diesem Workshop gewonnenen Erkenntnisse weitere Massnahmen beschlossen und Prüfaufträge erteilt, deren Ergebnisse in der nächsten Sitzung am 8.11.2011 beraten werden sollen. Vor diesem Hintergrund können die von Ihnen aufgeworfenen Fragen derzeit noch nicht abschliessend beantwortet werden. Hierfür bitte ich um Verständnis. Wir werden Ihre Anfrage selbstverständlich beantworten, sobald der Vorgang eine solche abschliessende Stellungnahme zulässt. Dabei gehe ich indes davon aus, dass wir im Ergebnis zu einem breiten interfraktionellen Konsens kommen werden.

Mit freundlichen Grüssen
Oliver Hahn 
 

 

Antwort der FDP 

Sehr geehrte Frau Grunewald,

vielen Dank Ihre Mail und insbesondere das von Bionus gezeigte Engagement auch in dieser Angelegenheit.

Wie auch in den anderen Fraktionen ist die Situation des Badino für uns ein ständiges Thema. Da die Dinge aber nach wie vor im Fluss sind und wir uns ebenfalls darauf verständigt haben, zunächst die Ergebnisse der bereits beschlossenen Maßnahmen abzuwarten, halte ich es nicht für sinnvoll, im jetzigen Stadium eine detaillierte Stellungnahme abzugeben.

Ich bin sicher, dass wir uns im nächsten Betriebsausschuss eingehend mit allen Details beschäftigen und auch zu einvernehmlichen Lösungen kommen werden.

Mit der Bitte um Verständnis und herzlichen Grüßen

Hermann Küsgen

 

 

Antwort der BfO

Sehr geehrte Frau Grunewald,

die Wählergemeinschaft BfO-Bürger für Overath ist bei der letzten Kommunalwahl aufgrund der katastrophalen Haushaltssituation der Stadt u. a. mit dem Ziel angetreten, teure und kostenintensive Prestigeobjekte zu verhindern. Viele unserer Mitglieder standen deshalb auch dem Projekt Badino bereits im Rahmen der Planung und Entwicklung kritisch gegenüber, zumal ein Hallenbad dieser Größenordnung erfahrungsgemäß nicht kostendeckend arbeiten kann.

Dies ist jedoch Schnee von gestern und hilft uns heute nicht weiter. Das Badino ist fester Bestandteil von Overath und wird zumindest von der überwiegenden Mehrheit der Nutzer gelobt und geschätzt. Alternativen in Form von Schließung bzw. Privatisierung sind zwar theoretisch denkbar, letztlich aber nicht in die Praxis umzusetzen.. So bleibt zurzeit nur, sich mit den Gegebenheiten zu arrangieren und nach überzeugenden Möglichkeiten zu suchen, die defizitäre Gesamtsituation zu mildern. Diesem Ziel diente der Workshop Badino, an dem alle im Rat vertretenen Fraktionen sowie die Verwaltung teilnahmen. Hier sowie im Betriebsausschuss wurden einvernehmlich zwei erfolgversprechende Massnahmen in die Wege geleitet (Schließung Kalttauchbechen, Optimierung der Regelungstechnik).

Es ist unser Ziel, auch zukünftig in enger Kooperation mit den übrigen Fraktionen sowie der Verwaltung zu weiteren sachlich begründeten und messbaren Einsparungen zu kommen, die die Attraktivität weder schmälern noch die Nutzung des Bads einschränken. Ein Forum hierfür wird die nächste Sitzung des Betriebsausschusses sein. Verbesserungen werden aber auch hier mangels finanzieller Mittel allenfalls in relativ kleinem Umfang erzielt werden können. Dies gilt auch für den Vorschlag der BfO, Jahreskarten einzuführen, um den Besuch finanziell attraktiver zu gestalten und durch Mehrverkauf die Einnahmeseite positiv zu beeinflussen. Die kleinen Schritte mögen dann zwar im Ergebnis in Richtung Konsolidierung gehen, aber höchstwahrscheinlich auch auf längere Sicht zu keiner gravierenden Änderung der unbefriedigenden finanziellen Situation des Bads führen.

Mit freundlichen Grüßen

Norbert Hein

 

 

Antwort der Grünen

Hallo Karin, hallo liebe Bionus-Fürstreiter,

ich bitte die verspätete Antwort zu entschuldigen, aber ich hatte bisher leider keine Zeit. Aus meiner Sicht ist das Badino ein wichtiges Thema in Bezug auf Bemühungen zur Haushaltskonsolidierung und das Badino schreibt rote Zahlen, so dass das Badino sicherlich auch weiterhin im Fokus bleibt. Allerdings sind zur Zeit im Workshop vereinbarte Maßnahmen zur Optimierung der Regelungstechnik in Prüfung, deren Ergebnisse m.E. erst einmal abgewartet werden müssten. Sollten darüber hinaus aus Deiner/Ihrer Sicht Gründe vorliegen, die ein früheres Handeln erfordern, so bitte ich um Deine/Ihre Nachricht.
Beste Grüße
Dagmar Keller-Bartel